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Flyer: Gelebte Politik - Gestern und Heute

Sieben Fussballfelder müssen entsorgt werden

Die CVP Sempach besucht den Abbau der Sondermülldeponie Kölliken

hfg. Vor kurzem liess sich die CVP Sempach vor Ort die Sanierung der Sondermülldeponie in Kölliken (SMDK) erklären. Der stellvertretende Betriebsleiter der SMDK-eigenen Schmutzwasser und Abluftreinigungsanlage, Urs Ernst, zeigte den interessierten Besuchern im Untergrund und auf dem imposanten Hallendach auf, wie es zu dieser Sanierung kam und was mit dem zu entsorgenden Material geschieht.
Ende der siebziger Jahre galt die ehemalige Tongrube bei Kölliken als sicherer Ort, um Sondermüll verschiedenster Art zu entsorgen. Die Kantone Aargau und Zürich bildeten dazu zusammen mit der Stadt Zürich und der Basler Chemie ein Konsortium. Bereits nach sieben Jahren wurde jedoch die Deponie auf Druck der Gemeinde Kölliken geschlossen. Bis dahin waren bereits 350'000 Tonnen Abfälle eingelagert worden. Gestank und andere Immissionen hatten den Ausschlag zur Schliessung gegeben. Bald merkte man zudem, dass der Untergrund doch nicht so undurchlässig wie angenommen war. Die Verschmutzung eines grossen Grundwasservorkommens drohte. Als erste Absicherung wurde rund um die Deponie ein Betonriegel in den Boden gebaut und die Wasserqualität wurde an über zweihundert Bohrlöchern überprüft. Zudem wurde das Sickerwasser in einem unterirdischen Stollen mit Wasserfassungen gesammelt und in der eigens dazu erstellten Schmutzwasser und Abluftreinigungsanlage gereinigt. Berechnungen ergaben, dass die Durchführung und der Unterhalt dieser Massnahme über ein Jahrhundert dauern würde und sich die Kosten dabei auf über 700 Millionen Franken summieren würden. Zudem war nicht sicher, wie sich die Deponie in ferner Zukunft verhält. Darum verfügte der Kanton Aargau 2003 die Totalsanierung der Deponie. Damit begann ein in ganz Europa einzigartiges Projekt: Die Deponie mit der Fläche von 7 Fussballfeldern wurde komplett überdacht, ein komplexer, ausgeklügelter Abbauplan wurde erstellt. Auf dem nicht kontaminiertem Areal der Deponie wurde eine erste Halle mit einem unterirdischen Wasserkeller (Löschwasser / Rückhaltebecken etc.) mit 1’550 m3 Volumen gebaut, die Halle wurde mit der Manipulationshalle verbunden, in deren Innern momentan der Abbau dieses Deponieteils erfolgt. Die grösste Halle, die eigentliche Abbauhalle über der Hauptfläche der Deponie ist ebenfalls bereits erstellt. Das Dach über diesen beiden Hallen wird von riesigen Stahlbögen mit Spannweiten bis zu 150 Meter gehalten. Damit mussten im innern der Hallen keine Stützen gebaut werden, was ein ungehindertes Manövrieren der verschiedenen Abbaumaschinen erlaubt. Sobald die Manipulierhalle vom verseuchten Material geräumt ist, wird diese umgebaut und zum eigentlichen Sortier- und Verarbeitungsraum für das abgetragene Material aus der Abbauhalle benutzt. Gearbeitet wird unter grössten Sicherheitsmassnahmen: In den Hallen herrschen spezielle Druckverhältnisse. Die Arbeiten können nur in Schutzkleidung oder in luftdichten Maschinenkabinen mit separater Luftzufuhr gemacht werden. Gemäss der Probenanalytik wird das abgebaute Material getrennt und der definitiven oder weiteren Entsorgung zugeführt. Dabei wird ein Teil des Gefahrengutes der Hochtemperatur-Verbrennung zugeführt. Weitere Entsorgungsarten sind die thermische Bodenbehandlung, die Bodenwäsche, die Inertisierung oder Weiterlagerung in Rest- bzw. Inertstoffdeponien oder in Untertagedeponien – was praktisch nur im Ausland möglich ist. Dazu wurde eigens ein Bahngeleise zur SMDK gelegt. Mit all diesen Massnahmen, welche laut heutigen Berechnungen auf rund 450 Mio. Franken zu stehen kommen, sollte die Deponie in Kölliken bis ins Jahr 2015 vollständig saniert sein. Auch die riesigen Hallen werden bis dann rückgebaut sein.
Die Teilnehmer der CVP Sempach kehrten mit starken Eindrücken von dieser Besichtigung heim. Auch kritische Fragen tauchten dabei auf: Wie sicher und endgültig wird das Gefahrengut nach dem Transport ins Ausland gelagert? Finden sich mit der Zeit noch bessere, endgültigere Lösungen? Wieviele ähnliche oder schlimmere Deponien gibt es weltweit und wie manche davon wird mit dem gleichen Aufwand saniert werden können?
Ein Schlussfazit war für alle klar: Am Besten ist es, wenn möglichst wenig Sondermüll entsteht. Hier ist jeder und jede einzelne in seiner Lebensweise gefordert!


Beeindruckte Sempacherinnen und Sempacher auf dem Dach der SMDK
(Foto: Ruedi Kaufmann)

 


Im Werkstollen in 22 Metern Tiefe wird das Sickerwasser alle vier Meter in Leitungen gefasst. Dabei ist keine Wasserzusammensetzung gleich!
(Foto: Ruedi Kaufmann)

 



Die Abbauarbeiten können durch Fenster mitverfolgt werden.
(Foto: Ruedi Kaufmann)


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